Auf dem Silbertablett serviert

by arnalyse

Eine Medienbranche geifert derzeit Richtung Silicon Valley, weil ein Tablet(t) kommen soll. Silber wird es ironischerweise wohl auch sein. Paraphrasiert: Eine Firma aus Cuppertino wird den Apfel auf einem Silbertablett servieren.

Bleiben wir beim Apfel auf dem Tablett

So deplatziert wie ein Apfel auf dem Tablett wirkt, so uninteressant ist das Tablett als solches. Interessant ist die Kombination aus beidem. Bringt Apple also ein Tablet heraus, so ist das erst einmal technisch interesant – mehr nicht.

Apples Aufgabe ist es, dem Tablet einen neuen Nutzen zu geben, für den bisher kein Bedarf da ist. Denn im bisherigen Umfeld wäre das Tablet nur für eins gut: für die Konsumption von Bild- & Videolastigen Medieninhalten. Wohl noch für das Surfen und Lesen, aber dann hört’s auch auf.

Was Apple für das Tablett bitterlich brauchen wird, ist der Ideenreichtum der Entwicklergemeinde gepaart mit den Inhalten der Medienbranche.

Das Magazinformat unter den Elektrogeräten

Das ist der Medienbranche klar – und sie phantasiert im Rausch des Kreativen: Die Sports Illustrated liefert einen traumhaften Prototypen ab, eine Vision. 10/Gui machen sich sinnvollerweise mehr über die Bedienung als über die Inhalte Gedanken. Und die Agentur Bonnier macht sich schon jetzt einen Namen, indem sie Konzepte präsentiert, die zu begeistern wissen.

Das Erlebnis für den Nutzer ist konzipiert, jetzt braucht man nur noch sein Geld um dieses Erlebnis auch umzusetzen. In Apple wird deshalb der Retter gesehen, hat doch der App Store eine Bereitschaft für Inhalte zu zahlen zu Tage gefördert, die man im Netz bisher vermisst. Bezahlt wird im App Store nämlich, weil die Inhalte bequem, mobil und zeitnah zum Benutzer gelangen.

Bequem – Mobil – Zeitnah

Listen & repeat: bequem, mobil, zeitnah und nicht selten auch noch hübsch – dafür scheint eine Zahlbereitschaft da zu sein. Nur: bisher haben es die klassichen Medien immer verpasst, am Puls der Zeit zu liefern.

Mp3 wurde verschlafen, Video on Demand wurde verschlafen, der App Store hat einige Erfolgsgeschichten, aber das Gros der Apps ersäuft in weitreichender Konkurrenz und fehlenden Alleinstellungsmerkmalen.

Nun sollen medial luxuriös inszenierte Inhalte à la Sports Illustrated auf ein Tablett projeziert werden, und mit ihnen die Hoffnungen der Medienproduzenten, endlich Printformate monetarisierbar ins Digitale zu retten.

Geblendet von den Möglichkeiten, gefesselt von der Realität

Doch wer soll diese Inhalte produzieren? Der klassische Journalist ist weit entfernt von einem Verständnis der Möglichkeiten, die ein Tablet bietet. Die Generation die Budgets bewilligt zu häufig auch. Und eins benötigt so ein Tablet-Projekt: ein Budget.

Denn die Leute werden zahlen, für ein Produkt, das inhaltlich in die Tiefe geht & gestalterisch gleichzeitig in neue Höhen. Beides scheint Geld zu benötigen, dass es bisher nur beim Print- & Fernsehjournalismus gibt.

Wer traut jetzt einer Branche zu, dass sie über ihren eigenen Schatten springt, wo sie doch schon am Internet gescheitert ist?

Willkommen im Jahre 2010, willkommen im Jahr des Tablet.


Bild: Stitch (flickr)